Die Stadt Krefeld besitzt einen Hafen mit Verbindung zum Rhein. Dort, wo die Schiffe vom Rhein in den Hafen ein- und ausfahren können, befindet sich auf der Molenspitze die Hafenmeisterei. Man kann das Gebäude sehr schön von einer nahegelegenen Rheinbrücke aus betrachten und fotografieren.

Im Bild sieht man links ein Stückchen vom Rhein und rechts die Einfahrt in den Hafen. Die im Hintergrund sichtbare Drehbrücke steht übrigens unter Denkmalschutz. Auch sie wäre eine modellbauerische Sünde wert. Das gleiche gilt für das Lagergebäude mit Kran Nr. 5. Hier geht’s aber nur um das kleine Gebäude auf der Molenspitze.
Individuell gebaute Modelle von besonders markanten Gebäuden sorgen für Abwechslung auf der Modellbahn. Schließlich müssen es nicht immer die einschlägigen Bausätze sein. Interessante Vorbilder findet man übrigens nicht nur im Internet, sondern oft vor der eigenen Haustür. Aber Vorsicht: Sehr schnell hat man sich in ein Vorbild verguckt und das „Unheil“ nimmt seinen Lauf.
Bei der Planung unserer Hafenanlage sprachen gleich drei Gründe für die Errichtung einer Hafenmeisterei:
- Erstens gehört zu einem Hafen natürlich auch eine Hafenmeisterei. Gleich nach der Hafenkneipe ist sie das wichtigste Funktionsgebäude.
- Zweitens hat das Vorbild in Krefeld die für unsere Anlage passende Größe.
- Und drittens ist die Hafenmeisterei ein schöner Blickfang auf der auch bei unserer Anlage vorhandenen Hafenmole.
Stellprobe

Auf die Schnelle wurde für eine Stellprobe eine Pappversion zusammengeklebt. Mit ihrer Hilfe kann man sehr leicht die beste Anordnung auf der Anlage finden. Auf besondere Schönheit und teure Materialien kommt es dabei nicht an.
Als nächstes geht’s an den PC, wo ein vereinfachtes CAD-Modell von Mole und Aufbau erstellt wurde.

Hier kann man leicht die Proportionen erkennen und bei Bedarf anpassen. So zeigte sich sehr früh, dass das Gebäude zwar exakt im 1:87 Maßstab gebaut werden konnte, der „Wasserstand“ jedoch an die Verhältnisse auf unserer Hafenanlage angepasst werden musste.
Natürlich geht dies auch ohne PC und CAD-Modell, vielleicht nur nicht so elegant.

Wer die Planung mit einem PC durchführen möchte: Fusion 360 ist ein guter Tipp. Fehlender PC oder fehlende Software sollte für den Modellbauer jedoch kein Grund sein, von seinem Vorhaben abzulassen.
Aus dem CAD-Modell können Flächenabwicklungen abgeleitet und als Bastelbogen verwendet werden. So sieht das erweiterte Papiermodell für eine weitere Stellprobe aus. Der Hafenmeister wundert sich offenbar über den hohen Wasserstand.
Oberbau mit Fensterfront
Nun geht es an den eigentlichen Modellbau aus Polystyrol. Die gebogene Fensterfront entsteht in dem man den o.g. Bastelbogen ausdruckt und die Eckpunkte per Nadel auf das klare Polystyrol überträgt. Dann kann das Fensterband ausgeschnitten, mit dem Cutter angeritzt und geknickt werden. Man sieht auf dem Bild den leider unvermeidbaren Baumwollhandschuh. Hier benötigt man ihn dringend, um Fingerabdrücke und Kratzer auf dem klaren Polystyrol zu vermeiden

Das Fensterband wird anschließend ganz vorsichtig unter das vorbereitete Dach geklebt. Warum Vorsicht? Kleberklekse auf den Scheiben sind ein NoGo.

Von unten kommen nun die Fensterbank und ein sorgfältig gebogener Mauerplattenstreifen hinzu. Na und dann kommen die Fensterrahmen und Sprossen!

Bei den zuvor geannten Arbeitsschritten sind eine Pinzette, Geduld und Pausemachen die wichtigsten Arbeitsmittel, denn Kleberklekse auf den Scheiben sind immer ein NoGo. Niemand wird bemerken, dass die Scheiben vor den Rahmen gebaut wurden.
Unterbau mit Festungsfront
Etwas aufwändiger wird es, wenn man es beim Festungsmauerwerk aus Basaltsäulen genau nimmt. Das Muster (unregelmäßige Vielecke) wurde von Hand in Polystyrolstreifen eingeritzt. Anschließend wurden diese Streifen auf das Modell aufgeklebt.

Die großen rechteckigen „Steine“ wurden einzeln ausgeschnitten, zum Teil vorgekantet und ebenfalls aufgeklebt. Alternativ, aber nicht ganz vorbildgerecht, könnte man die Basaltsäulen auch aus einer ähnlichen Mauerplatte bzw. Gehwegplatte herstellen. Schön wäre es, wenn sich einer der einschlägigen Hersteller erbarmen würde und dieses Mauerwerk in ein schönes Plattenprodukt umsetzen täte.
Details
Die Beton-Außentreppe entstand aus geschichteten 2 mm Polystyrolplättchen. Der kubische Anbau ist dagegen leicht aus Mauerplatten herstellbar.

Die Dacheindeckung erfolgte mit Streifen aus Tonpapier. Um diese genau nach Vorbild zu verlegen, genügte ein kurzer „Google-Earth-Blick“ von ganz oben.

Halter für einen der beiden Rückspiegel, damit der Hafenmeister auch alles im Blick hat. Das ist vorbildgerecht, erfodert aber beim Transport eine besondere Umsicht.

Rostige Leiter aus der Bastelkiste mit zusätzlichen Halterungen, sowie Antenne mit Halterung am Kamin. Solche Kleinigkeiten sind beim Modellbau so wichtig wie beim Vorbild.

Wir bauen das Gebäude mit Absicht etwas verdreht auf die Anlage, damit die Sicht auf das Stumpfgleis für unsere Besucher erhalten bleibt. Die Eisenbahn sollte nicht zu kurz kommen.
Wenn man diese Anordnung mit dem Vorbildfoto vergleicht, ist dies natürlich eine jener Abweichungen, ohne die es beim Modellbau nicht geht. Sie bleiben vielen Betrachtern der Anlage verborgen oder werden verständnisvoll zu Kenntnis genommen.

Innenausstattung
Es versteht sich von selbst, dass die Hafenmeisterei mit einer vorbildgerechten Büroausstattung und Beleuchtung ausgestattet wurde. Innen ist man bei einer offensichtlich angeregten Diskussion. Der Meister steht draußen und sucht nach den Zigaretten. Dass der Dachübergang (aus Aluminiumfolie) zwischen dem hinteren und vorderen Gebäudeteil inzwischen mal wieder reparaturbedürftig ist, bemerkt er dabei nicht.

Vorsicht im Hafenbereich
Das Schubschiff Oranje 1 zieht mit der gebotenen Vorsicht an der Hafenmeisterei vorbei. Ob das an der Einsicht des Schiffsführers oder an der puren Anwesenheit des gestrengen Hafenmeisters liegt, wissen wir nicht. Indes schaut der Hafenmeister lieber noch mal nach dem Wasserstand, obwohl dieser auf unserer Hafenanlage schon seit einiger Zeit nicht mehr weiter gestiegen ist.

